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Filmblatt 14. Jg., Nr. 41, Winter 2009/10

 

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THEMA

 

Dominik Schrey: Zwischen den Welten. Intermediale Grenzüberschreitungen zwischen Animations- und Realfilm.

Die deutsche Film- und Medienwissenschaft hat dem Animationsfilm bislang erstaunlich wenig Beachtung geschenkt. Nach wie vor widmen sich nur wenige deutschsprachige Publikationen dezidiert der theoretischen Untersuchung des Phänomens Animationsfilm oder spezieller dessen Verhältnisses zum Realfilm. Ziel dieses Aufsatzes ist daher die Analyse und Systematisierung dieser Beziehung zwischen den zwei so unterschiedlichen Formen des Mediums Film unter Gesichtspunkten der aktuellen Intermedialitätsforschung. Anhand einiger Filmbeispiele soll eine Taxonomie möglicher Bezüge entworfen werden, wobei der Schwerpunkt auf solchen Filmen liegt, die als "Hybride" bezeichnet werden können, da sie Elemente aus Animations- und Realfilm miteinander kombinieren und dadurch die beiden "Welten" miteinander konfrontieren. [S. 5-21]

Thomas Ballhausen, Günter Krenn: Betörte Opfer, teuflische Kerle. LANDRU, DER BLAUBART VON PARIS (1923), seine Kontexte und Wirkungsweisen.

Der Fall des Betrügers und Serienmörders Henri Désiré Landru machte schon zu Zeiten seines Prozesses Mediengeschichte. Den ersten filmischen Beitrag dazu leistete die österreichische Produktion LANDRU, DER BLAUBART VON PARIS (1923). Basierend auf dem Vorwissen, das durch die Presse verbreitet worden war, werden hier frühe Formen der Medienberichterstattung, des Dokumentarischen, des Journalistischen und die traditionellen narrativen Möglichkeiten verknüpft. Die um die Aufführungen herum organisierten Zusatzveranstaltungen, die den warnenden Charakter des Films unterstreichen und mit einem wissenschaftlichen Duktus versehen sollten, verweisen auf einen sich ausbildenden, publikumswirksamen Expertendiskurs. Der filmische Fall LANDRU erweist sich retrospektiv als eines der ersten Beispiele einer neuen Form der Präsentation und Reflexion des Erzählten und (vermeintlich) Dokumentierten. [S. 23-27]

 

WIEDERENTDECKT

 

Philipp Stiasny: Simmel hoch Klick. Die Krux mit dem populären Film der siebziger Jahre.

1975 kreuzen sich die Wege des Bestsellerautors Johannes Mario Simmel und des Regisseurs Roland Klick, als Klick Simmels Roman Lieb Vaterland, magst ruhig sein verfilmt: eine Geschichte aus dem Berlin des Kalten Krieges, von Agenten in Ost und West, von Fluchthelfern, Erpressern und Ideologen. Ausgehend von Klicks intelligentem, von Teilen der Kritik dennoch verrissenem gleichnamigen Thriller geht der Aufsatz der Frage nach, weshalb in der Bundesrepublik der 1970er Jahre kein Platz war für ein gehobenes deutsches Genrekino, für ein populäres Kino mit Anspruch. Dabei fällt der Blick auf Simmel und die Serie der Simmelverfilmungen, auf zeitgenössisches Schubladendenken, Streitereien um die Deutungshoheit und die Tragik des Außenseiters Klick. [S. 29-41]

 

Ralf Schenk: Vergessene Zeitkritik. Heinz Rühmann in der Gesellschaftssatire DER HERR VOM ANDERN STERN (1948).

Anfang 1948 dreht Heinz Rühmann in München seinen ersten Nachkriegsfilm. Der Bewohner eines fernen Planeten, DER HERR VOM ANDERN STERN, von Rühmann gespielt, landet auf der Erde, gerät in die Fänge von Bürokratie und Geheimpolizei, lehnt sich gegen das Militär auf und hält schließlich eine fulminante Rede, in der er davor warnt, sich an eine antihumane Machtelite zu binden. Obwohl Rühmann seinem Rollenklischee, dem „kleinen Mann“ mit leisem Lächeln, verpflichtet bleibt, enthält DER HERR VOM ANDERN STERN eine radikale Kritik an den politischen Verhältnissen. Eine solche Einmischung ins Zeitgeschehen nahmen die Zuschauer ihrem Lustspielidol übel und blieben dem Film weitgehend fern. [S. 43-50]

 
Michael Wedel: Autorenfilm, Künstlerdrama, Starkino. Dreieckskonstellationen in und um DIE SCHWARZE LOO (1917)

Mit den überwiegend dramatischen Filmen der Maria-Orska-Starserie versuchte die Greenbaum-Film in den Jahren 1916/17 den seit der Autorenfilm-Bewegung gehobenen Ansprüchen eines bürgerlichen Publikums entgegenzukommen. Die schwarze Loo oder Die Komposition des Anderen, ein Künstlerdrama im Musikermilieu, ist der chronologisch späteste und der einzige erhaltene Film der Serie, mit der die gefeierte Bühnendarstellerin moderner Frauenfiguren von Strindberg und Wedekind eine Probe ihres Könnens auf der Leinwand zeigt. Er ist zugleich das einzige Beispiel für die Zusammenarbeit von Hans Brennert und Max Mack, die der Serie als Autor und Regisseur thematisch und stilistisch ihren Stempel aufgedrückt haben. [S. 51-64]

 

Neue Archivfilme im Verleih (II) – Besprechungen – Film-Editionen.