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DER FÜRST VON PAPPENHEIM (1927). Erstaufführung der gesicherten Fassung

7. Februar 2008, Zeughauskino 20.00 Uhr

 

Der Fürst von Pappenheim / The Masked Mannequin, D 1927
Regie: Richard Eichberg, D: Curt Bois, Mona Maris, Dina Gralla, Lydia Potechina, Hans Junkermann
engl. ZT, ca. 90’


Über ein Vierteljahrhundert gehörte der vor 120 Jahren geborene Richard Eichberg (1888-1952) zu den zentralen Figuren des deutschsprachigen Genrekinos. Die Palette des als Berliner Original bekannten Regisseurs und Produzenten erstreckte sich von Sensations-Melodramen über Kriminalfilme, Historien- und Abenteuerspektakel bis hin zu musikalisch beschwingten Operetten- und Varietéfilmen. Der Name Eichberg war synonym für ein modernes, international ausgerichtetes Kino der bewegten Massen und exzessiven Emotionen: „Kennen Sie den Zustand, wenn man sehr gut gegessen, einen sehr guten Wein getrunken hat und jetzt, nachher, eine Havanna raucht – ein Zustand, wo der andere den größten Kohl reden kann und man findet es doch lustig, anregend? Das ist der Zustand ‚Richard Eichberg’“ (Willy Haas, 1926). – Unter dem Titel „Eichberg Wiederentdeckt“ kredenzte die Reihe „Wiederentdeckt“ im letzten Juli eine charakteristische Auswahl von 12 Eichberg-Filmen. Als Nachschlag serviert CineGraph Babelsberg nun als deutsche Erstaufführung die vom Bundesarchiv-Filmarchiv kürzlich gesicherte englische Fassung seines 1927 entstandenen Stummfilms DER FÜRST VON PAPPENHEIM. Es ist die einzig erhaltene Kopie dieses Lustspiels aus dem Konfektionsmilieu: Ein typischer Richard Eichberg-Film mit einem Curt Bois von „quecksilbriger Beweglichkeit“ (BZ am Mittag) – „grotesk und dennoch liebenswürdig“ (Kinematograph).

Egon Fürst (Curt Bois) ist erster Verkäufer im Modehaus Pappenheim, daher Fürst Egon von Pappenheim genannt. Eine junge Prinzessin (Mona Maris) flüchtet vor einer Zwangsheirat nach Berlin, wo sie unerkannt als Mannequin in der Firma Pappenheim Stellung findet... Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf und klären sich erst bei einer großen Modenschau in Baden-Baden.

DER FÜRST VON PAPPENHEIM folgt der viel gespielten gleichnamigen Operette von 1922. „Er ist ein richtiger Eichberg-Film geworden, ohne besondere Ambition, außer der einen: zu unterhalten. Diese Absicht hat Eichberg wieder einmal voll erreicht. Sein Sinn für gesunden Humor, dem man auch eine gelegentliche Derbheit verzeiht, und sein Gefühl für würzige Pikanterie lassen ihn bald den Kontakt mit dem Publikum finden, das in fröhlicher Laune willig mitgeht.“ (BZ am Mittag). Dieses Lustspiel heißt Curt Bois, begeistert sich die Vossische Zeitung, denn erst Curt Bois verwandele dieses Stück in einen Film: Wo er auftrete, herrsche „echtester Chaplin. Am rührendsten da, wo er seine traurigen Bois-Augen in ein jähes Nichts richtet, am tollsten aber, wenn er, als Mannequin verkleidet, die wilden Zärtlichkeiten seines Verfolgers in süßer Aufgelöstheit erleiden muß.“

Die Filmvorführung wird von der Filmwissenschaftlerin Claudia Preschl, die an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien lehrt, eingeführt. Claudia Preschl beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Frühen Kino, der Stummfilmgeschichte und mit Filmgeschichtsschreibung.

Kopie: Bundesarchiv-Filmarchiv
Klavierbegleitung: Peter Gotthardt