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Filmblatt 14. Jg., Nr. 40, Sommer 2009

 

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THEMA

 

Dirk Alt: Farbfilmstart oder Farbfilmphantom? Das Siemens-Berthon-Linsenrasterverfahren und seine Förderung durch die nationalsozialistische Propaganda 1936-38.

Mangels überlieferter Kopien ist das auf der Olympiade 1936 in Berlin vorgestellte Farbfilmverfahren Siemens-Berthon (Linsenraster) heute weitgehend vergessen. Obwohl nie ein abendfüllender Spielfilm nach dem Verfahren hergestellt wird, kommt ihm unter den Farbfilmverfahren der 30er Jahre dadurch eine besondere Bedeutung zu, daß es vor dem Hintergrund der verschärften internationalen Konkurrenzsituation in der Farbfilmtechnik durch Propagandaministerium und Reichsfilmkammer offiziell als der deutsche Farbenfilm proklamiert und gefördert wird. Der Text zeigt die mit Siemens-Berthon erstmals wirksam werdende nationalsozialistische Farbfilmpropaganda und die Diskrepanz zwischen dem Anspruch und den tatsächlichen Grenzen eines Verfahrens, das 1938 an seiner mangelnden Wirtschaftlichkeit scheitert. [S. 4-18]


Jan-Christopher Horak: Düstere Weltanschauung, hell ausgeleuchtet. Zur restaurierten Fassung von Max Nossecks Kriminalfilm THE HOODLUM (1951)

Der Regisseur Max Nosseck kann sich nach seiner Emigration aus Deutschland in Hollywood mit Kriminalfilmen künstlerisch entfalten und einen eigenen Stil entwickeln. Die Umkopierung der originalen Bild- und Tonnegative von THE HOODLUM von 1951 gibt Anlass zu einer Neubewertung seines Werks. Nossecks Kriminalfilme gehören nicht zum etablierten Korpus des US-amerikanischen Film noir, obschon sie in ihrer Sicht auf die menschliche Natur düster genug sind. Stilistisch meidet Nosseck jedoch die dunklen Töne des Film noir, die Licht- und Schatteneffekte, die expressionistisch schiefen Blickwinkel und bevorzugt transparent ausgeleuchtete, bei Tag gedrehte Szenen – vielleicht deshalb, weil er von Hause aus ein Lustspiel-Regisseur war. [S. 19-24]

 

FILMDOKUMENT

 

Jeanpaul Goergen: Kriegsflugzeuge, Luftkämpfe und Besuch vom Mars. Industrie- und Propagandafilme 1917/18.

In den beiden letzten Kriegsjahren entstehen in Deutschland verstärkt Propagandafilme zum Thema Flugwesen. DIE PFALZFLUGZEUGWERKE schildern detailliert die Produktion von Kriegsflugzeugen. Der Messter-Film LUFTKÄMPFE montiert die Kamera an die Tragfläche und kommt so zu seltenen Nahaufnahmen. Bereits 1909 sieht der englische Kurzfilm den LUFTKRIEG DER ZUKUNFT und seine Verwüstungen voraus. In DIE ENTDECKUNG DEUTSCHLANDS stellen Journalisten vom Mars erstaunt fest, dass Deutschlands Kriegsindustrie blüht und gedeiht. In RENTIER KULICKE’S FLUG ZUR FRONT sieht dieser voller Erschütterung die zerstörten französischen Städten und zeichnet daraufhin Kriegsanleihe, um der Heimat diese Schrecken zu ersparen. [S. 25-42]

 

WIEDERENTDECKT


Günter Agde: Koproduktionen als politische Prestigeobjekte. Der ostdeutsch-französische Film DIE ABENTEUER DES TILL ULENSPIEGEL von 1956

In der Mitte der 1950er Jahre realisierte die Babelsberger Filmproduktionsfirma DEFA mehrere Koproduktionen mit französischen Partnern. Sie wollte damit sowohl die künstlerische Qualität ihrer Filme steigern wie auch deren Abspielräume erweitern. Nicht zuletzt suchte sie auch Anschluß an die westeuropäischen Kinoentwicklungen. Zum Prestigeobjekt geriet die Verfilmung des Romans von de Coster „Till Ulenspiegel“. Dessen Handlung wurde stark auf die Interpretation durch den Weltstar Gérard Philipe zugeschnitten. Die DEFA hingegen fand den niederländischen Befreiungskampf gegen die spanischen Eroberer nicht differenziert genug gezeichnet. Der Dualismus bremste den Erfolg des Films DIE ABENTEUER DES TILL ULENSPIEGEL. [S. 43-50]


Ralf Forster: Henkel-Werbung im Wirtschaftswunder: GLÜCKSBRINGER (BRD 1955/56)

Anhand des farbigen Werbespielfilms GLÜCKSBRINGER untersucht der Beitrag Marketingstrategien von Henkel für sein erfolgreichstes Produkt, das Waschmittel Persil. Er blickt zurück auf den abendfüllenden Persil-Film WÄSCHE-WASCHE-WOHLERGEHEN (1932) und bezieht die ersten bundesdeutschen TV-Spots ein, in denen Beppo Brem und Liesl Karlstadt „Persil und nicht anderes“ empfehlen. Dabei ergibt sich eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen technischen Innovationen und konservativen, in erster Linie Hausfrauen adressierenden Inhalten. Anhand des Übergangs von der Kino- zur Fernsehwerbung wird gezeigt, dass dieser vermeintliche Widerspruch den Kern eines Werbekonzeptes bildete, das auf den Charakter des Massenproduktes und seine spezifische Kundengruppe gleichermaßen zugeschnitten war. [S. 51-60]

 

Horst Claus: Prag und Wien – Filmstädte unter deutschem Einfluss (Review Essay) [S. 67-71]

 

Service, Besprechungen, Film-Editionen, Rundschau – Aufsätze zur deutsch(sprachige)en Filmgeschichte