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Filmblatt 41 Editorial

 

"Zwischen den Welten" überschreibt Dominik Schrey seine Reflexionen über die intermedialen Grenzüberschreitungen zwischen Animations- und Realfilm. Auf der Basis einer historischen Betrachtung entwickelt er eine Systematik, um den fortschreitenden Prozess der Hybridisierung der Gattungen analytisch zu fassen. Dieses "Dazwischenliegen" zieht sich auch durch die weiteren Beiträge dieser Ausgabe von Filmblatt.


Thomas Ballhausen und Günter Krenn berichten über erste Forschungsergebnisse zu den Wirkungsweisen des österreichischen Films LANDRU, DER BALUBART VON PARIS (1923), der, zwischen Sensationslust und populärwissenschaftlicher Aufklärung angesiedelt, eine neue Kunstrichtung etablieren wollte.


1976 realisiert Roland Klick nach einem Bestseller von Johannes Mario Simmel den Politthriller LIEB VATERLAND, MAGST RUHIG SEIN, in dem ein Klein-Ganove zwischen die Fronten der Geheimdienste gerät: Eine Begegnung mit einem vergessenen Berlin-Film par excellence, der Einzelschicksale der geteilten Stadt schnörkellos und spannend vorführt und so die Absurdität der beiden deutschen Systeme aufdeckt. Von der zeitgenössischen Kritik, die Ausschau hielt nach der Weiterentwicklung der filmischen Sprache, wurden die Vorzüge dieses Außenseiterfilms, der weder zum westdeutschen Klamaukfilm der 1970er Jahre noch zum Neuen Deutschen Film passte, nicht erkannt, wie Philipp Stiasny detailliert herausarbeitet.


Heinz Rühmann als Satiriker und Zeitkritiker: 1949 hält er als DER HERR VOM ANDERN STERN den deutschen Zuschauern den Spiegel vor, ironisiert sowohl den Pomp und die Selbstgefälligkeit, aber auch die kalte Gefährlichkeit der braunen Machthaber sowie die neue Bürokratie der Siegermächte und die ungebrochene Gefährlichkeit der Generäle am Befehlsknopf der Atombombe. Hier ist ein ganz anderer Rühmann zu entdecken, der engagiert Stellung bezieht zu den drängenden Zeitfragen. Ralf Schenk analysiert, warum der Film scheiterte und Rühmann in dieser Rolle durchfallen musste.


Das 1917 von Max Mack kunstvoll und sehr gediegen inszenierte Künstler-Drama DIE SCHWARZE LOO ODER DIE KOMPOSITION DES ANDEREN ist erst seit kurzem wieder als Kopie verfügbar und lässt uns nun die großen darstellerischen Fähigkeiten der aus Polen stammenden Bühnen- und Filmschauspielerin Maria Orska wiederentdecken. Michael Wedel lenkt die Aufmerksamkeit auf das Personal und die besonderen inszenatorischen Qualitäten des Films, die ihn als aufschlussreiches Beispiel für die ästhetische und kulturelle Entwicklung des deutschen Films zwischen Autorenfilm und Starkino erscheinen lassen. (Jeanpaul Goergen)


Berlin, den 19. Februar 2010