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Gute Kopien. Restaurierungen und Editionen (3)

Gute Kopien Restaurierungen und Editionen (3)

Wir setzen die Übersicht über die Restaurierungs- und Editionsgeschichte der „Top 100“-Filme des Kinemathekenverbundes fort mit Friedrich Wilhelm Murnaus NOSFERATU und MENSCHEN AM SONNTAG des Filmstudio 1929.
 

NOSFERATU (1921, R: Friedrich Wilhelm Murnau)

1.1981: Filmmuseum München: Enno Patalas, Klaus Volkmer, Gerhard Ullmann, mit Unterstützung der Cinémathèque Suisse, der Cinémathèque Française und des Staatlichen Filmarchivs der DDR.
Kurzbericht: Eine Schwarzweiß-Kopie der zweiten französischen Fassung von 1928 (Cinématèque Suisse) wurde umkopiert, fehlende Einstellungen wurden nach einer Nitrokopie der apokryphen Fassung Die zwölfte Stunde (Cinémathèque Française) ergänzt, sowie neu hergestellte deutsche Zwischentitel und Inserts, textgetreu nach der originalen Titelliste (abgedruckt bei Lotte H. Eisner: F. W. Murnau, Paris 1964), in der grafischen Gestaltung orientiert an einer vom Staatlichen Filmarchiv der DDR zur Verfügung gestellten Kopie. (Enno Patalas)
Kopierwerk: Kopierwerk Bavaria, Zwischentitel Fa. Pfenninger.
Format: 35mm, s/w, 1.733 m
Erstaufführung: 5. 6. 1981, Cinémathèque Française

2.1984: Stiftung Deutsche Kinemathek, Edition: Enno Patalas
Kurzbericht: Farbe. Von dem schwarzweißen Duplikatnegativ von 1.1981 wurde zur Aufführung bei den Berliner Filmfestspielen von der Stiftung Deutsche Kinemathek eine Farbkopie gezogen. Die Färbung erfolgte per Filter, spekulativ: Braun für Sonnenlicht, Rosa für Dämmerung, Blau für Mondschein, Gelb für Kunstlicht. (Enno Patalas)
Format: 35mm, Farbe, 1.733 m
Restaurierungsbericht: Enno Patalas: Unterwegs zu NOSFERATU. Brief an Lotte H. Eisner, in: 34. Internationale Filmfestspiele Berlin 17.-18. Februar 1984. Dokumentation. S.309-313; Berndt Heller: Die Musik zum „Fest des NOSFERATU“, ebenda, S.314-315
Literatur: 34. Internationale Filmfestspiele Berlin 17.-18. Februar 1984. Dokumentation. S.308-317
Erstaufführung: 20.2.1984, Berlin (Zoo-Palast, 34. Internationale Filmfestspiele Berlin) als „Wiederaufführung der rekonstruierten und farbigen Kopie mit der Originalmusik für Salonorchester“ (Musik Hans Erdmann, dirigiert von Berndt Heller)

3.1987: Filmmuseum München: Enno Patalas, Gerhard Ullmann, mit Unterstützung des Bundesarchiv-Filmarchiv Koblenz, der Cinémathèque Française, der Cinémathèque Suisse, der Filmoteca Espanola, dem Staatlichen Filmarchiv der DDR und der Stiftung Deutsche Kinemathek Berlin
Kurzbericht: Farbe. Wie bei 2.1984 wurde von dem schwarzweißen Duplikatnegativ von 1.1981, ebenfalls per Filter, nun aber nach korrigiertem Farbenplan, basierend auf einer gefärbten Kopie der ersten französischen Fassung von NOSFERATU in der Cinémathèque Française, eine Kopie gezogen. (Enno Patalas)
Kopierwerk: Geyer Berlin.
Format: 35mm, Farbe, 1.910 m (= 92‘ bei 18 B/Sek., besser: 103‘ bei 16 B/Sek.)
Restaurierungsbericht: Enno Patalas: „NOSFERATU will nicht sterben“, in: F. W. Murnau: Nosferatu. Eine Publikation des Kulturreferats der Landeshauptstadt München und des Filmmuseums. Redaktion: Fritz Göttler, München: Universitätsdruckerei 1987, S.26-29; Berndt Heller: Die Musik zum „Fest des NOSFERATU“, ebenda, S.30-32
Literatur: F.W.Murnau: Nosferatu. Eine Publikation des Kulturreferats der Landeshauptstadt München und des Filmmuseums. Redaktion: Fritz Göttler, München: Universitätsdruckerei 1987; Evelyn Roll: NOSFERATU – ein Stummfilm wird getönt, in: Süddeutsche Zeitung, 24.1.1987; Andreas Kilb: Der gefärbte Vampir, in: Die Zeit, 13.2.1987
Erstaufführung: 1.-5.2.1987, Gasteig (Carl-Orff-Saal, mit der originalen Orchestermusik von Hans Erdmann, Einstudierung und musikalische Leitung: Berndt Heller)
TV-Erstsendung: 29.12.1988, ZDF (94‘30“). Erstaufführung der restaurierten und neuvertonten Fassung, „vom ZDF videotechnisch aufbereitet“. Musik: Hans Posegga. Die „Farben wurden ebenso rekonstruiert wie die Zwischentitel. Das in München behutsam restaurierte Filmwerk wurde schließlich vom ZDF mit Hilfe modernster Fernsehtechnik nachbearbeitet, Bilder wurden wieder brillant und deutlich sichtbar. Ebenso wurde die Vorführgeschwindigkeit auf die zur Entstehungszeit des Films üblichen achtzehn Bilder pro Sekunde herabgesetzt.“ (Spiel im ZDF 12/88)

4.1995: Cineteca del Comune di Bologna und Filmmuseum München: Enno Patalas (Edition), Nicola Mazzanti (technische Realisierung), in Zusammenarbeit mit der Cinémathèque Française, der Cinemateca Portuguesa, dem Bundesarchiv-Filmarchiv, der Stiftung Deutsche Kinemathek und der Cinémathèque Suisse. (Projekt Lumière)
Kurzbericht: Farbe. Schwarzweiß-Negativ, ausgehend von der gefärbten Kopie der ersten französischen Fassung in der Cinémathèque Française, einer Kopie der ersten Generation. Darin wurden mangelhafte oder fehlende Stücke ergänzt nach den ebenfalls in der Cinémathèque Française verwahrten Nitro-Materialien der zweiten französischen Fassung sowie aus Die zwölfte Stunde. Davon, nach der in Brüssel von Noël Desmet entwickelten Methode, Kopien auf Farbmaterial, im ersten Durchgang das (hier immer) schwarzweiße Bild, im zweiten die Färbung. Der Farbenplan ging aus von der gefärbten Kopie der ersten französischen Fassung aus der Cinémathèque Française: nicht immer dem vermeintlichen Code folgender Wechsel von Gelb für Sonnen- wie für Lampen- und Kerzenlicht, Rosa für Dämmerungsszenen (jedoch nicht alle), Nachtszenen im Wechsel blau (vor allem Außen) und blaugrün (Innen, wohl auch für „Unheimlich“) – immer Färbung, keine Tonung, also Schwarzweiß auf monochromen Grund. (Enno Patalas)
Kopierwerk: L‘Immagine Ritrovata Bologna
Format: 35mm, 1970 m, Farbe (= 94‘)
Restaurierungsbericht: http://www.cinetecadibologna.it/fcr/fcr1995.rtf (Nicola Mazzanti); The Lumière Project. The European Film Archives at the Crossroads, edited by Catherine A. Surowiec. Lissabon: Guide, 1996, S.37f.; Enno Patalas: Unterwegs zu NOSFERATU. Vorstellung einer Rekonstruktion, in diesem Heft
Literatur: Enno Patalas: Zur Rekonstruktion des Stummfilms NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS – On the Reconstruction of the Silent Movie NOSFERATU – a Symphony of Horror, in: Kurt Denzer (Hg.): Cinarchea – Sichtweisen zu Archäologie-Film-Kunst. Kiel: Verlag Ludwig 2000, S.36-39 http://www.nitrateonline.com/1999/fnosferatu2.html
Erstaufführung: Cannes 1995, Il Cinema Ritrovato, Bologna (25.6.1995), London Film Festival 1995
TV-Erstsendung: vermutlich 30.10.1999, BR. Musik: Gérard Hourbette und Thierry Zaboitzeff, Aufführung: Art Zoyd.n


NOSFERATU. The original full-length version. Eureka Video 1997. VHS EKA 00007. black & white, Running time: approx. 80‘ Modern-sachliche englische Titel, die Rollennamen analog zu Stokers Roman umgetextet („Count Dracula“), unter dem Titel-Karton ist „©1992 Jef Films International. S.A.“ eingeblendet. Indifferente Orgelbegleitung. Laufzeit: 79‘13“.

Natürlich handelt es sich nicht um die „original full-length version“, sondern um die Fassung des Museum of Modern Art (MoMA), New York – also die zweite französische Fassung, wie sie das MoMA 1947 von der Cinémathèque Française bekommen und mit englischen Titeln versehen hatte. (Enno Patalas)



NOSFERATU. Image Entertainment ID4098DSDVD, 1.33:1, NTSC, DVD region worldwide, color-tinted black & white, 81 minutes. „This edition of NOSFERATU has been digitally mastered from 35mm elements of superior quality, untder the supervision of noted film historian David Shepard. Restored to its original running time, color tints and projection speed, the presentation also features an exclusive audio essay by German silent film connoisseur Lokke Heist. / Restoration: David Shepard, Dean Duncan, Film Preservation Associates, Graphic Design: Andrea Echt. / From the Blackhawh Films Collection. ©1991 Film Preservation Associates. (Release date: July 21, 1998). Out of print

Die Shepard-Fassung. „The 35mm print utilized for this disc‘s video transfer is soft in photographic detail and a bit contrasty, with precious little detail remaining in dark, shadowy areas of the picture. The transfer does not seem to have been redone for this DVD, as it appears to be identical to the transfer available on the 1991 laserdisc release. New English intertitles have been prepared for this edition...“ (Carl Bennett) Im Bild identisch mit der zweiten französischen Fassung, wie sie von der Cinémathèque Française verwahrt und verschiedenen Filmarchiven, so 1947 dem Museum of Modern Art, zugänglich gemacht wurde. Die Kolorierung folgt, wie Restaurierung 2.1984, ebenfalls spekulativ dem „Code“ Braun, Blau, Rosa ..., wobei der Schnitt, der den Wechsel der Farbe beim Erlöschen der Kerze markiert, übersehen wurde. Das „Braun für Nacht“ wirkt wie getont, nicht wie gefärbt, die anderen Farben sind gelungener. Die englischen Zwischentitel gehen aus von der fehlerhaften Übersetzung der Titelliste in der englischen Ausgabe von Eisners Murnau-Buch („Why have you destroyed them, the beautiful flowers?“, statt „Why have you killed them ...“); ihre grafische Gestaltung ist „modern“, „neutral“. Hutter wird immer mit „Thomas“ angeredet. Der Name des Komponisten Hans Erdmann wird im Vorspann unterschlagen. Die für den Rhythmus wichtigen Anfangs- und Endtitel der Akte fehlen. Beim Ton kann man wählen zwischen einer Orgelbegleitung (Timothy Howard) und einem Kommentar (Lokke Heist), der sich Einstellung für Einstellung von einer Plattitüde zu anderen hangelt: „The husband, Thomas, is standing next to a mirror, which immediately gives us the feeling of doubling, the idea that we have two sides to our personality.“ Oder: „This marriage seems idyllic, but the undercurrent tells us there is something very wrong here. For example: This scene makes little sense unless one tries to approach the story on a symbolic level.“ Als „Extra“ werden Zeichnungen und Plakate von Albin Grau geboten. (Enno Patalas)
Literatur:
http://www.silentera.com/DVD/nosferatu-origDVD.html (Review Carl Bennett)


NOSFERATU. Un film de Friedrich Wilhelm Murnau. Collection Films du Siècle. Films Sans Frontières 2, 1999. DVD double couche comprenant deux versions du film: film N/B à 24 images/seconde - 60 mn (cartons français), film version teintée d‘origine à 18 images/seconde - 90 mn (cartons en allemand, sous-titres optionnels en français ou anglais). Accompagné d‘une musique stéréo originale de Galeshka Moravioff. EDV 1075

Die farbige 90-Minuten-Fassung basiert auf einer gebrauchten, verschmutzten Kopie der Restaurierung 4.1995 und zwar in einer Überspielung, die von deren Qualitäten aber auch gar nichts mehr erkennen lässt: graue Bilder in bunter Sauce. Bei der schwarzweißen 60-Minuten-Version handelt es sich um eine Kopie, die Atlas in den fünfziger Jahren für den Export in frankophone Länder hergestellt hat: also die gekürzte zweite französische Fassung, vom MoMA mit seinen englischen Titeln versehen (die Namen der Personen durch die entsprechenden des Dracula-Romans ersetzt), diese (unter Beibehaltung der falschen Namen) wieder ins Französische rückübersetzt. Den Name des Komponisten Peter Schirmann hat der französische Verleiher des Films und Produzent der DVD, Galeshka Moravioff, wegretuschiert und durch seinen eigenen ersetzt; die ganze DVD ist mit einem elektronischen Einheits-Sound unterlegt. Extras: eine Murnau-Filmografie und die Entstehungsdaten des Films. (Enno Patalas)


The Masterworks of the German Horror Cinema. DER GOLEM (1920), black & white, 68 minutes, with DAS KABINETT DES DOKTOR CALIGARI (1920), black & white, 51 minutes, and NOSFERATU (1922), black & white, 64 minutes. Elite Entertainment, distributed by Image Entertainment, EE4376. 1.33:1 full-frame NTSC, 2 discs, DVD region worldwide, Dolby Digital 2.0 mono sound, English intertitles, no foreign language subtitles, chapter stops, production drawings/stills scrapbook, 12-page booklet. (Release date: 22.2.2000)

„The 35mm print utilized for this disc‘s video transfer is a bit contrasty, with precious little detail remaining in dark, shadowy areas of the picture, and is worn, scratched and speckled moreso in some places than others. However, the transfer fares well against the original David Shepard/Image edition already available on DVD. While both DVD editions appear to have utilized the same source material, the Image edition transfer was prepared in 1991 for laserdisc release. This edition from Elite benefits from a new transfer intended for DVD. Picture details are sharper and the transfer does a better job of holding highlight details. With the exception of the second reel, details in shadow areas are moderately well maintained. Framing on the Elite edition is tighter than the Image edition. (...) The print utilized for the Elite transfer features intertitles that have substituted the ersatz character names given by Prana-Film with those from the Stoker novel, by which the characters are best known. Gone are Orlok and Hutter, Knock and Ellen, in favor of Dracula and Harker, Renfield and Nina. (...) There does not appear to be any difference in the amount of actual footage between the two editions. The Elite edition has been tranferred at sound speed (24 frames per second) and therefore runs faster than the Image edition, which was transferred closer to the original camera-cranking speed of approximately 18-20 frames per second. There are differences in the number and length of intertitles, however. The Elite edition has fewer intertitles, which is the by-product of the circa-1970s rerelease print utilized for the transfer. The Image edition has a handful more of its new intertitles, but also has a tendency to run them longer as well. Overall, while the faster speed of the Elite transfer can be annoying to a purist, the action is not significantly sped up and remains quite watchable. – The DVD contains a thin supplementary section composed of four Albin Grau production drawings and three film frames/stills.“
(http://www.silentera.com/DVD/masterworksghcDVD.html – Carl Bennett, 1999/2001)


NOSFERATU. Special Edition 2 Disc DVD. The Original Full Length Version. Fully Restored. Digitally Remastered. Disc 1 (Sepia), Commentary Track, Special Footage, Disc 2 (Original Black and White). Eureka EKA40025. Regional Code 2. Running Time: 90‘ approx. (Release date: 22.1.2001) Info: http://www.eurekavideo.co.uk/nosferatu.htm

Zwei DVDs in einer Kassette: erstens eine in apokrypher Sepia-Färbung und zweitens „die originale Schwarzweiß-Fassung“ des in Wahrheit ursprünglich in fünf verschiedenen Farben herausgebrachten Films. Laut Trailer soll sie auf „the last surviving print found in Germany“ basieren – Ron Benson, von Eureka Video, von mir dazu befragt, hat eingeräumt, dass es sich dabei um eine Marketing-Lüge handelt. Der Vorspann beruft sich auf „National Archives Film Archives Koblenz, Town Museum Film Museum Munich and German Cinematic Foundation Berlin“ (sic!). In Wahrheit liegt der Fassung die Münchner Restaurierung 1.1981 zugrunde (das heißt, sie enthält immerhin die bei Image nach wie vor fehlenden Einstellungen), an der aber weder das Bundesarchiv noch die Stiftung Deutsche Kinemathek beteiligt waren. Die in Melbourne realisierte digitale Bearbeitung ist die beste, die m.W. einem deutschen „Klassiker“ bisher zuteil geworden ist; umso bedauerlicher, dass sie nicht auf die letzte Restaurierung 4.1995 angewandt wurde. Der Text der Zwischentitel ist eine neue englische Übersetzung der im Text überlieferten originalen – auch hier muss Hutter sich mit Thomas anreden lassen. Ihre grafische Gestaltung (durch IML Digital media Melbourne) orientiert sich zum Teil (die Chronik, das Vampirbuch) an den originalen deutschen, wie in der benutzten Münchner Restaurierung 1.1981, zum Teil (die Dialogtitel) imitiert sie andere Vorbilder, bedient sich etwa des Rahmens der französischen Fassung von Genuine. Der Kommentar ist derselbe wie bei den beiden Image-Fassungen, nur dass er hier nicht vom Autor, Lokke Heist, gesprochen wird, sondern von einem Schauspieler, der auf unfreiwillig komische Weise um Ausdruck bemüht ist. Alternativ dazu die Musik von Art Zoyd. Der Name des Komponisten Hans Erdmann, den der Original-Vorspann nannte, wird auch hier unterschlagen. – Unverständlich ist, wie in Ländern, in denen das Copyright der deutschen Rechtsinhaber gilt, heute noch VHS- und DVD-Fassungen in den Umlauf kommen können, die dem Stand der archivischen Bemühungen Hohn sprechen. Ron Benson von Eureka Video hat mir versichert, dass Murnau-Stiftung und Transit diese Nosferatu-Fassung nicht nur lizenziert, sondern ihm auch diese obsolete Version zur Verfügung gestellt und die Fassung 4.1995 keineswegs angeboten hätten. (Enno Patalas)


NOSFERATU. DVD. Mastered from 35mm Archive Material. Restored Edition. Features Exclusive Audio Essay by Lokke Heiss and Supplementary Materials Including Then and Now Photographs. Producer for Video: David Shepard. From the Blackhawk Films Collection. Image Entertainment ID0277DSDVD, 1.33:1, NTSC, DVD region worldwide, B&W with Color Tints, 81 Mins. (Release date: 2.1.2001)
Info: http://www.image-entertainment.com/press/nosferat.html

Neuauflage der Image-Shepard-DVD von 1998. Im Bild ist auch diese Edition weitgehend identisch mit der zweiten französischen Fassung, ein paar Einstellungen sind dazugekommen, weiterhin fehlen die meisten aus der ersten französischen Fassung wie aus Die zwölfte Stunde bekannten, so die Krocket-Partie. Neu sind lediglich die Zwischentitel, „nice-looking, hand-lettered, parchment-like title cards“ (Shepard) – dieselben wie in der neuen Eureka-Fassung. Die Farben sind entschieden schlechter als in der Image-Fassung von 1998: Schwarz gibt es gar nicht, bei Tagesszenen wechseln die Farben zwischen Braun und Grau, das Blau für Nacht ist nur eine farbige Tonung auf hellem Grund, das Dämmerungs-Rosa als solches gar nicht mehr zu erkennen. Beim Ton hat man die Wahl zwischen der Orgelbegleitung (Timothy Howard) der Image-Fassung von 1988, einer neuen Orchesterbegleitung (The Silent Orchestra) und dem Kommentar der Fassung von 1988. Von dessen Autor, Lokke Heist, stammt auch das „Extra“ mit dem Titel „Nosfera-Tour“: Bilder von den damaligen Drehorten heute. Das gibt es besser in der ersten Folge des Fernsehfilms „Murnau: El lenguaje de las sombras“ (1996) von Luciano Berriatua.
Literatur:
http://www.silentera.com/DVD/nosferatu-remDVD.html (Carl Bennett)
http://www.dvdreview.com/fullreviews/nosferatu.shtml (Guido Henkel)
http://www.digitallyobsessed.com/showinterview.php3?ID=9&page=4 (Mark Zimmer: A Conversation with David Shepard)
http://www.nitrateonline.com/1999/fnosferatu2.html (Nosferatu Arrives in America by Gregory Avery, posted 29 October 1999)


NOSFERATU. DVD. Music score: James Bernard. A Photoplay Production for Channel Four, 1997. Includes a film essay by Professor Sir Christopher Frayling, on-screen biographies of Murnau and Bernard, and downloadable ROM content of notes by Enno Patalas on the restoration of the film.
bfi BFIVD520, region 2, 1.33:1, black and white and tinted, silent with music, 89 minutes (Release date: 21. January 2002) / Die VHS (BFIV 103) enthält nur den Film.
Info: http://www.bfi.org.uk

Die Edition beruht auf der Restaurierung 4.1995 und übernimmt eine Photoplay Production, die 1997 von Channel Four ausgestrahlt wurde, d.h. die verwendete Kopie hat neue englische Titel und Zwischentitel der Firma Framelines Graphics. Im Abspann wurde vergessen, das Jahr der Restaurierung anzugeben. Der im Horror-Genre erfahrene James Bernard komponierte die neue Begleitmusik. Der Filmwissenschaftler Christopher Frayling führt in einem teilweise etwas ruppig zusammengeschnittenen, knapp halbstündigen Interview in den Film ein, kurze Texttafeln informieren über Bio- und Filmografie von F. W. Murnau und James Bernard. Der Bericht von Enno Patalas über die Restaurierung ist als pdf-Datei hinterlegt – kann also nur auf Computer, nicht auf einem DVD-Spieler gelesen werden. Das Layout ist ansprechend und die Unterteilung des Films in 18 Kapitel erleichtert das Manöverieren. Die bisher beste Edition der Restaurierung von 1995, dennoch: Es heißt weiterhin auf eine Edition mit den deutschen Titeln und der Originalkomposition von Hans Erdmann zu warten.

 

MENSCHEN AM SONNTAG (1930, Prod.: Filmstudio 1929)

1.c1980: Filmmuseum München: Enno Patalas
Kurzbericht: Arbeitskopie, basierend auf einer Kopie der Cinématèque Royale de Belgique, mit französischen und flämischen Zwischentiteln, deren dritter (letzter) Akt auf Material des Nederlands Filmmuseums, mit niederländischen Titeln, zurückging, ergänzt nach einer Kopie (nur Akt 2 und 3) der Cinémathèque Suisse, mit deutschen Titeln. Alle Titel nach dem Vorbild der in der Kopie aus Lausanne enthaltenen neu geschrieben, Text in Akt 1 nach der Zensurkarte.
Kopierwerk: Studio Pfenninger (Zwischentitel)
Format: 35mm, s/w, 1.744 m
Aufführungen: Il Cinema Ritrovato, Bologna, 1993; Silent Film Festival, Pordenone 1997

2.1997: Nederlands Filmmuseums: Martin Koerber
Kurzbericht: Restaurierung unter Verwendung von zeitgenössischen Kopien des Nederlands Filmmuseums, der Cinémathèque Royale de Belgique und der Cinémathèque Suisse
Kopierwerk: L‘Immagine ritrovata
Format: 35mm, 1:1,33, stumm, 1839 m, s/w (= 73‘30“ bei 22 Bildern/Sekunde)
Restaurierungsbericht: Martin Koerber: Sul restauro du Menschen am Sonntag / On the restauration of Menschen am Sonntag, in: Cinegrafie 11, Bologna 1998; korrigiert und erweitert in: Mark Paul Meyer, Paul Read (Ed.): The Restoration of Motion Picture Film. Oxford: Ingram 2000
Literatur: „Filmstudio 1929 zeigt seinen ersten Versuch“. MENSCHEN AM SONNTAG: restauriert, In: FILMBLATT 13, Sommer 2000, S.46ff
Erstaufführung: Internationale Filmfestspiele Berlin 1998, Retrospektive
TV-Erstsendung: 16.11.2000, ARTE, Filmmusik: Elena Kats-Chernin


*Robert Siodmak/Edgar G. Ulmer: PEOPLE ON SUNDAY. BFI Films BFIV 086 (History of the Avant-Garde). Black & white, 73‘, silent with music soundtrack. (Release date: 19.2.2001)
Info: http://www.bfi.org.uk

Vorbildliche Edition des 1997/98 vom Nederlands Filmmuseum neu restaurierten Films [2.1997]. Deutsche Zwischentitel mit englischen Untertiteln. Vor dem Vorspann findet sich eine Schrifttafel – die gleiche wie auf der Filmkopie –, die kurz die Genese des präsentierten Materials vorstellt. Die Abtastung entspricht den Maßstäben, die man heute stellen kann: korrekte Geschwindigkeit und richtiges Format sind hier selbstverständlich. Über die konventionelle Filmrestaurierung hinaus wurden Schäden des Ausgangsmaterials (einkopierter Staub, Bildstandsfehler etc.), die sich auf dem Weg photographischer Umkopierung nicht beseitigen ließen, bei der Bearbeitung durch den Rechteinhaber (KirchMedia, auf der Kassette nicht genannt) behutsam digital korrigiert. Die zum Film gespielte Musik von Elena Kats-Chernin wird auf der Videokassette selbst nicht identifiziert, jedoch für Leser des Kleingedruckten wird dies auf dem Cover nachgeliefert. („The original negative of the film is lost and no complete copy exists, however this restored version has been reconstructed by the Netherlands Film Museum and contains important scenes previously missing. This version also features a vibrant new score by Elena Kats-Chernin.“) Leider fehlt jeder Hinweis auf das Orchester und den Dirigenten (Czech Film Orchestra unter Frank Strobel). Die sonstigen „sleeve notes“ von Philip Kemp sind (im Rahmen des auf begrenztem Raum Möglichen) ausführlich und geben sogar Kurzbiografien der beteiligten Filmschaffenden, die allesamt später Weltkarrieren machten. Leider haben sich hier ein paar Fehler eingeschlichen, die aus überholten Standardwerken übernommen wurden: So wird von dem Dresdner Robert Siodmak immer noch behauptet, er wäre in Memphis, Tennessee geboren, und Billie Wilders Geburtsort wird von Galizien nach Wien verlegt. Doch das sind Schönheitsfehler, die man leicht verschmerzt. (Martin Koerber)

Nosferatu - Aufführungsdaten

zusammengestellt von Jeanpaul Goergen

Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens
35mm, 1:1,33, 5 Akte, 1967 m (= 106‘ bei 16 B/Sek.)
Zensur: 16.12.1921, B 4960, Jv.
Deutschland: 4.3.1922, Berlin (Marmorsaal, Voraufführung); 15.3.1922, Berlin (Primus-Palast, Uraufführung)
Österreich: vor dem 9.3.1923, Wien (Gartenbau-Kino)[1]
Frankreich: 16.-22.11.1922, Paris, als Nosferatu le Vampire (Ciné-Opéra; Verleih: Cosmograph, Länge: ca. 1.900 m)[2] [1. französische Fassung]; ab dem 24.2.1928, Paris (Ciné-latin)[3] als Nosferatu le Vampire [2. französische Fassung]
Niederlande: 10.12.1927, Amsterdam, als Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens (Centraal Theater, 4. Veranstaltung der Filmliga)[4]
Großbritannien: 16.12.1928, London, als Dracula (New Gallery Kinema, 27. Programm der Film Society)[5]
USA: ab 18.5.1929, New York (film guild cinema, als Nosferatu the Vampire)[6] ; 14.12.1929, New York (film guild cinema, als Nosferatu the Vampire. Englische Zwischentitel: Benjamin de Casseres, 70‘)[7]
Die zwölfte Stunde. Eine Nacht des Grauens. [nicht autorisierte Neubearbeitung von Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens mit hinzugefügten Szenen][8]
P.: Deutsch-Film-Produktion (D.F.P.)[9] Berlin SW 48, Friedrichstraße 233, 1930 / Künstlerische Bearbeitung: Dr. Waldemar Roger / Musikalische Bearbeitung: Georg Fiebiger / Akustisches Verfahren: Organon GmbH, im Polyphon-Grammophon-Konzern / Weltvertrieb: Deutscher Tonfilm-Vertrieb GmbH, Berlin / Darsteller in neuen Szenen: Hans Behal (der Priester), Eduard von Winterstein (der Wirt)
35mm, 8 Akte, 1893 m, nach Ausschnitten: 1799 m
Zensur: 14.11.1930, B 27446, Jv.[10]
Österreich: 16.5.1930, Wien, als Nosferatu (Der Vampyr)[11]
Spanien: 23.2.1931, Barcelona (Avenida); 23.11.1931, Madrid (Cine de la Prensa)[12] Deutschland: 17.-22.3.1931, Berlin (Kamera)[13]

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[1] Béla Balázs: Nosferatu, In: Der Tag, Wien, 9.3.1923. Reprint in: Béla Balázs: Schriften zum Film. Band 1, Berlin: Henschelverlag 1984, S. 175f.
[2] M. Bouvier, J.-L. Leutrat: Nosferatu. Paris: Gallimard 1981, S. 252f, 272.
[3] Ebd., S. 256.
[4] Céline Linssen, Hans Schotts, Tom Gunning: Het Gaat om de Film! Amsterdam: Bas Lubberhuizen, Filmmuseum 1999, S. 284. Das Programm war als „Reprise“ angekündigt; die frühere Aufführung (ca. 1922/23) konnte nicht ermittelt werden.
[5] The Film Society Programmes 1925-1939. New York: Arno Press 1972, S. 104f; Bouvier, Leutrat (wie Anm. 2), S. 259ff.
[6] Nosferatu in New York. In: Licht-Bild-Bühne, Nr. 116, 16.5.1929; Vgl. Bouvier, Leutrat (wie Anm. 2), S. 261. In einer Anzeige des film guild cinema im April-Heft 1929 des Theatre Guild Magazine (6. Jg., Nr. 7, S. 59) wird Nosferatu the Vampire als „coming attraction“ angekündigt: „– inspired by motives from ‚Dracula‘... a symphony in gray... moods macabre and mordant... a powerful psychopathic study of blood-lust...“. In der Mai-Ausgabe (Nr. 8, S. 59) wird die „European Film Sensation“ Moulin Rouge beworben; die Anzeige verweist erneut auf die bevorstehende Aufführung von Nosferatu: „Coming! Nosferatu the Vampire directed by Murnau, director of The Last Laugh“.
[7] Bouvier, Leutrat (wie Anm. 2), S. 261, unter Hinweis auf eine Besprechung in Variety, 25.12.1929; Luciano Berriatúa: Los proverbios chinos de F. W. Murnau. Madrid: Filmoteca Espanola 1990, S. 138; Georges Sadoul (Histoire générale du cinéma. 5. L‘Art muet 1919-1929. Premier volume: L‘après-guerre en Europe. Paris: Denoël 1975, S. 509) erwähnt, leider ohne Quellenangabe, eine amerikanische Kopie in sieben Akten mit einer Länge von 6.942 feet, was 2.117 m entspricht. Als Urheber dieser Fassung nennt er Symon Gould (Schnitt), Benjamin de Casseres (Zwischentitel) sowie Conrad West (Drehbuchautor). Symon Gould war der Leiter des „film guild cinema“ in New York. Vgl.: Symon Gould: The Film Arts Guild (N.-York), In: Filmliga. Amsterdam, Nr. 4, Dezember 1927, S. 9.
[8] Ausführliche Credits bei Ulrich J. Klaus: Deutsche Tonfilme. 1. Jahrgang 1929/30. Berlin, Berchtesgaden: Klaus-Archiv 1988.
[9] Firmierte auch als „Deutsche Film-Produktion (D.F.P.)“. Die Firma legte bis 1932 nur noch zwei Beiprogrammfilme vor: die amerikanischen Wild-West-Filme In höchster Gefahr und Bill... Augen auf!, die beide am 26. 2. 1930 zensiert wurden.
[10] Die Zensurkarte ist weder im Bundesarchiv-Filmarchiv noch in der Stiftung Deutsche Kinemathek vorhanden. Eine Reproduktion der ersten Seite publizierte Lotte H. Eisner in „F. W. Murnau“, Paris: Le Terrain Vague 1964, S. 233. – Im Archiv der Stiftung Deutsche Kinemathek befindet sich ein illustriertes Programm zu Die zwölfte Stunde mit Inhaltsangabe und Fotos, die vor allem jene Szenen dokumentieren, die in diese Fassung neu aufgenommen wurden.
[11] Paimann‘s Filmlisten. Wien 1930, S. 79. Dort wird die Länge zur Wiener Uraufführung mit 6 Akte, ca. 2.300 m angegeben; Klaus (wie Anm. 8) gibt 2297 m. Als Herkunftsfirma nennen Paimann‘s Filmlisten die deutsche „Prana-Organon-Film“.
[12] Berriatúa (wie Anm. 7), S. 137.
[13] Film-Kurier, Nr. 61, 13.3.1931 („Haben Sie gehört?“). – Gedenkvorstellung für Murnau in der „Kamera“. In: Licht-Bild-Bühne, Nr. 64, 16.3.1931: „Der Film erscheint stumm und tönend unter dem Titel Die zwölfte Stunde (Eine Nacht des Grauens).“ Die Kritiken dieser Veranstaltungen sprechen allerdings stets von Nosferatu. Vgl.: Die Murnau-Gedenkvorstellung. Nosferatu in der Kamera. In: Licht-Bild-Bühne, Nr. 66, 18.3.1931.