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Wiederentdeckt 124

DIE FRÜHREIFEN (BRD 1957, R: Josef von Baky)
4. Januar 2008, 19.00 Uhr, Zeughauskino
DIE FRÜHREIFEN
BRD 1957, R: Josef von Baky, D: Heidi Brühl, Christian Doermer, Christian Wolff, Peter Kraus, 91’


Die Jugend begehrt auf. Seit den frühen 50er Jahren sorgen in deutschen Großstädten immer wieder fünfzehn- bis zwanzigjährige, meist männliche Jugendliche aus der Arbeiterschicht für öffentliche Aufregung, weil sie sich abends zu Banden zusammenschließen, randalieren und Passanten belästigen. Diese „Halbstarken“ kleiden sich exzentrisch und hören Rock’n’Roll, sind laut, ruppig und aggressiv. Zu ihren Vorbildern zählen amerikanische Stars wie Bill Haley und Elvis Presley, Marlon Brando in THE WILD ONE (1953) und James Dean, der REBEL WITHOUT A CAUSE (1955). Auch das deutsche Kino reagiert auf dieses heiße Thema, wobei der Erfolg von DIE HALBSTARKEN (1956) mit Horst Buchholz wie ein Startschuss wirkt. In seinem Fahrwasser entsteht auch DIE FRÜHREIFEN.

Erzählt wird von zwei gegensätzlichen sozialen Milieus im Ruhrgebiet: den strebsamen jungen Arbeitern und Angestellten einerseits und den dekadenten Sprösslingen einer reichen Oberschicht andererseits, die Autos stehlen, Partys feiern, Rockmusik spielen und Mädchen verführen. Der Konflikt spitzt sich melodramatisch zu, als die beiden Milieus aufeinander treffen und eine junge Ausreißerin aus der Arbeiterschicht von Schönheit und Konsum geblendet wird. „Die Jugend von heute hat inzwischen schon so manchem Streifen als Vorlage gedient. Daß aber das Thema noch nicht abgegrast ist, beweist dieser Film. (...) Die gesellschaftskritischen Streiflichter sitzen akkurat, und die Jugendlichen reden so keß und unbekümmert, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. (...) Regisseur Josef von Baky hat sich nämlich diesmal dem unsentimentalen Realismus verschrieben. Nicht zu seinem Nachteil wohlgemerkt! Denn die imposante Kulisse des Ruhrgebiets (...) verschafft seinem Film ein bestechend echtes Milieu, das wiederum der Glaubwürdigkeit der unzimperlichen Handlung sehr zustatten kommt.“ (Filmwoche, 26.10.1957)

Einführung: Philipp Stiasny
Kopie: Filmmuseum Berlin - Deutsche Kinemathek