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Wiederentdeckt 146

DER ANDERE (D 1930, R: Robert Wiene, D: Fritz Kortner, Käthe von Nagy, Heinrich George)

5. Juni 2009, Zeughauskino, 19.00 Uhr

Tagsüber ist Dr. Haller ein angesehener Staatsanwalt und strenger Vertreter des Gesetzes, nachts dagegen ist er "Der Andere": ein Dieb, der sich in der Unterwelt herumtreibt. Hallers Persönlichkeitsspaltung ist ihm aber selbst nicht bekannt, und so weiß das eine Ich nichts vom zweiten. Es kommt, wie es kommen muss: Der nächtliche Haller verliebt sich in eine berüchtigte Ganovin und will ihr zuliebe ihren Feind ermorden, den Staatsanwalt. – Für den Regisseur Robert Wiene bedeutet DER ANDERE eine Rückkehr zu seinen Anfängen, denn in seinem Remake von Max Macks Klassiker des Autorenfilms aus dem Jahr 1913 drückt sich erneut das Interesse für die Psychoanalyse, das Unbewusste und die dunklen Seiten der menschlichen Seele aus, das bereits sein Meisterwerk DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920) bestimmt hatte. Zugleich markiert Wienes erster Tonfilm DER ANDERE auch einen Aufbruch und einen Neuanfang: Der Tonfilm erscheint hier als die Couch des Analytikers, auf der das Unbewusste in Sprache verwandelt wird. So lässt sich DER ANDERE als Versuch eines Dialogs zwischen Stummfilm und Tonfilm lesen und als selbstreflexive Auseinandersetzung mit der Übersetzung von Bildern in Worte. Wienes fesselnder Psychothriller ist herausragend besetzt, und wird von der Kritik gefeiert als ein "denkwürdiger Moment im Beginn der jungen deutschen Tonfilm-Ära" (LichtBildBühne, 13.8.1930). – DER ANDERE wird eingeführt von Dr. Lihi Nagler von der Universität Tel Aviv, die über die Figur des Doppelgängers im deutschen Kino promoviert hat und zur Zeit in Berlin forscht.


Einführung: Lihi Nagler (in englischer Sprache)

Kopie: Bundesarchiv-Filmarchiv