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Wiederentdeckt 184

DAVID (BRD 1979, R: Peter Lilienthal, B: Peter Lilienthal, Ulla Ziemann, Jurek Becker, K: Al Ruban, D: Torsten Henties, Mario Fischel, Walter Taub, Irena Vrkljan, Eva Mattes, Dominique Horwitz, 127’ 35 mm), Zeughauskino 3.2.2012, 18 Uhr


 

Peter Lilienthals Film David erzählt die Geschichte des im Berlin der Nazi-Zeit lebenden Juden David, der vergeblich seine Eltern zunächst davon überzeugen möchte auszuwandern, sich dann nach deren Deportation an verschiedenen Orten verstecken muss, bis ihm schließlich die Flucht nach Palästina gelingt. David wurde Anfang 1979 auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Zwei Monate vorher war im westdeutschen Fernsehen der US-amerikanische Mehrteiler Holocaust ausgestrahlt worden, der heftige Diskussionen über das Verhältnis von Opfern und Tätern im Zusammenhang mit der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg ausgelöst hatte. Lilienthals Film wurde dabei in vielen Diskussionen als ein ästhetisches und narratives Kontrastprogramm zur US-amerikanischen Fernsehproduktion verstanden, doch benennt David weder Opfer noch Täter. Der Film ist, wie Lilienthal selbst sagte, „ein jüdischer Film über jüdische Leute von einem jüdischen Regisseur in einem Land, in dem es kein jüdisches Publikum gibt“ – ohne Frage eine Ausnahmeerscheinung in der westdeutschen Filmlandschaft der 1970er Jahre. (cs)

 

Einführung: Claudia Sandberg