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Wiederentdeckt 246

Der Weg nach Rio (D 1931, Manfred Noa), Vorfilm: Sao Paulo (D 1935)

Das junge Tippfräulein Inge (Maria Solveg-Matray) hat einen leichtsinnigen Wunsch: Nur einmal einen schönen großen Wagen zu chauffieren. Ihr Freund, der Garagenbesitzer Karl (Oskar Marion), erfüllt ihr diesen Wunsch, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Der Weg nach Rio reiht sich in das Genre der Mädchenhändlerfilme ein, sogenannte white-slavery-Filme, die von entführten und verführten jungen Mädchen erzählen, die mit falschen Versprechungen ins Ausland gelockt werden, um schließlich in den Bordellen Südamerikas oder anderen exotischen Orten zu landen. Mädchenhändlerfilme sind fast so alt wie der Film selbst und hatten meist dann Konjunktur, wenn zuvor ein internationaler Kongress zur Bekämpfung des Mädchenhandels stattgefunden hatte, wie zum Beispiel 1930 in Warschau.

Der Weg nach Rio war die letzte Arbeit des Regisseurs Manfred Noa, dem mit Bobby E. Lüthge ein erfahrener Drehbuchautor zur Seite stand, der bereits einige Jahre zuvor für Das Frauenhaus von Rio das Drehbuch für einen anderen Mädchenhändlerfilm verfasst hatte. Noas Film ist jedoch nicht nur ein spekulativ angelegter Kriminalfilm, der zwar dem Geschmack des damaligen Publikums entsprach, aber in der Filmpresse auf geteilte Meinung stieß. Die Uraufführung des Films löste in Brasilien auch eine Welle der nationalen Empörung aus und führte im Frühjahr 1931 zu einer der schwerwiegendsten kulturpolitischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Brasilien.

 

Einführung: Wolfgang Fuhrmann (CineGraph Babelsberg e.V., Universität Zürich)

 

Am Freitag, den 30. September 2016 um 18,30 Uhr im Zeughauskino