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Von Jeanpaul Goergen

METROPOLIS (1927, R: Fritz Lang) (Top 100, Platz 8)

Auf der Berlinale 2001 wurde die (damals noch nicht ganz abgeschlossene) digitale Restaurierung der Originalfassung von METROPOLIS vorgestellt: ausgeführt von Martin Koerber im Auftrag der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, auf der Grundlage der Fassung des Filmmuseums München und der im Bundesarchiv-Filmarchiv überlieferten Filmmaterialien. Es würde den Rahmen dieser Rubrik sprengen, die verschiedenen Restaurierungsschritte aufzuführen und mit den mittlerweile kaum noch überschaubaren Film-, VHS- und DVD-Editionen dieses Filmklassikers in Relation zu setzen. Auch die eigentliche Geschichte des Films und seiner Kürzung auf Initiative des amerikanischen Verleihs ist (u.a. auch in FILMBLATT 15/2001) ausreichend dokumentiert.

Fritz Lang: Fritz Lang‘s METROPOLIS. Neu restaurierte Fassung mit Originalmusik. 2 DVD Set. München: Transit Film GmbH 2003. Bestell-Nr.: 2969. Laufzeit ca. 118‘, PAL, Dolby Digital
Info: www.transitfilm.de

Auf zwei DVDs bringt diese „Deluxe Edition“ nicht nur den Hauptfilm METROPOLIS mit der Originalmusik von Gottfried Huppertz (eingespielt unter dem Dirigat von Berndt Heller), sondern auch eine Fülle von Extras. Kurz, aber eindringlich und präzise stellt Martin Koerber einige Probleme der digitalen Restaurierung vor; insbesondere die bei einer Überrestaurierung entstehenden digitalen Artefakte sind beeindruckend. Enno Patalas dokumentiert in einem 45minütigen Feature sachkundig den „Fall METROPOLIS“; Fotogalerien und Biografien ergänzen die Extras. Zu METROPOLIS kann man wahlweise auf englisch oder deutsch einen Audiokommentar von Enno Patalas einschalten.
Der Hauptverdienst dieser Edition liegt in der sauberen Wiedergabe der unlängst fertiggestellten digitalen Restaurierung von Fritz Langs Klassiker, endlich zusammen mit Huppertz Originalmusik. Die Wiedergabegeschwindigkeit folgt jenen 25 Bildern/Sekunde, die bereits Huppertz vorgesehen hatte. Die Extras richten sich an Otto Normalverbraucher und bringen dem Filmwissenschaftler nichts Neues. Die Kurzbiografien haben sich als Standardbeigabe eingebürgert, auch wenn sie nur selten mit einem noch so kleinen Lexikon mithalten können. Die Fotogallerien sind mit Sachverstand bestückt; wertvoll vor allem die Szenen aus den heute verschollenen Teilen der Erstfassung. Bei den teilweise überdimensionalen Plakaten hätte man die Maße angeben können. Durch die Untertitelung in englisch, französisch, spanisch und italienisch ist die Edition auch international in Forschung und Lehre einsetzbar. Die Menüführung ist problemlos und optisch ansprechend gelöst. Man kann diese Edition nur loben: Bereits die Restaurierung (des Films für die Kinoleinwand) setzte Maßstäbe, nun nutzten die Herausgeber die Chance, auch Huppertz Musik einspielen zu lassen.
Viel mehr kann eine DVD-Edition, die sich an ein großes Publikum wendet, nicht leisten. Ein wenig vergessen wird dabei die scientific community weltweit. Extras für diese gewiss nicht kleine Zielgruppe (rechnet man die Goethe-Institute noch hinzu) müssen aber anders ausgewählt und konzipiert sein. Denkbar wäre – im Fall METROPOLIS – eine dritte Disc, die sich ausdrücklich an Studierende und Wissenschaftler richtet, etwa mit Ausschnitten aus anderen erhaltenen Fassungen (zum Vergleich), mit noch mehr Beispielen aus der Restaurierungspraxis, mit Informationen über die Musik (Überlieferung, Anpassung an die restaurierte Fassung, Aufführungsprobleme) und mit Links auf ausgewählte bestehende oder neu einzurichtende Websites. Die deutsche Filmwissenschaft fängt gerade an, sich Gedanken darüber zu machen, wie man (historische) Filme auf DVD, CD-ROM und im Internet (einzeln oder im Verbund; mit oder ohne Begleitbuch) wissenschaftlich edieren kann. Es liegt an uns, diesen Umbruch mitzugestalten.

DER UNTERTAN (1951, R: Wolfgang Staudte) (Top 100, Platz 10)

Die Originalproduktion der DEFA von 1951 ist vollständig erhalten. Im November 1956 wurde DER UNTERTAN „vom Interministeriellen Ausschuß mit Kürzungen für die BRD freigegeben. Bei der 1. FSK-Vorlage im Januar 1957 wurde er nicht freigegeben, erst bei der 2. Vorlage im Februar 1957. Der Vorspann wurde mit einem zusätzlichen Text versehen, der die geschilderten Vorgänge als Einzelfall deklariert.“ (Top 100: DER UNTERTAN) Diese Fassung war um 328 m (ca. 12‘) gekürzt.
Originalformat und -länge: 35mm, s/w, 1:1,37, 2963 m (= 108‘ 18“ bei 24 B/Sek. und 103‘ 58“ bei 25 B/Sek.)

Wolfgang Staudte: DER UNTERTAN. DVD. Berlin: Icestorm Entertainment GmbH 2002. Bestell-Nr.: 19053. Spielfilm: 104‘; Video Aspect: 4:3; Color Mode: s/w; Audio: Deutsch Dolby Digital 2.0; Region Code: PAL, Zone 0
Info: www.icestorm.de

Angeboten wird die Originalfassung von 1951. Weiterführende Informationen zum Film wie etwa ausführliche Credits oder ein Hinweis bzw. Material zur gekürzten BRD-Fassung von 1957 fehlen. Das Bonus-Material bringt drei Einzelsujets aus „Der Augenzeuge“ zu anderen Filmen von Wolfgang Staudte (DIE MÖRDER SIND UNTER UNS; DIE GESCHICHTE VOM KLEINEN MUCK). Ferner wird das Original Kino-Plakat abgebildet sowie einige Szenenfotos: hier liegt die Menüführung (verziert mit Preußenfahnen und Zylindern) über den Fotos. Ein Gespräch mit dem Historiker Dr. Jürgen Angelow über den historischen Untertanengeist ist mit Marschmusik unterlegt. Ferner werden Kürzestfassungen der Filmo- und Biografie von Wolfgang Staudte und Werner Peters angeboten. – Die DVD ist „ausschließlich für die private Nutzung bestimmt“.