Experimente (DDR 1980, Jürgen Gosch, Lars-Peter Barthel, mit u.a. Heidemarie Schneider, Michael Gwisdek und Hermann Beyer)
09.01.2026, 18:00 Uhr und 12.01.2026, 19:00 Uhr im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums.
Experimente konzipierte Kameramann Lars-Peter Barthel als seinen Meisterschüler-Abschlussfilm an der damaligen Hochschule für Film und Fernsehen der DDR (HFF), gemeinsam mit dem Theaterregisseur Jürgen Gosch und dem Autor Christoph Hein. Ohne Drehbuch wurde mit den Schauspieler*innen Heidemarie Schneider, Michael Gwisdek, Hermann Beyer und Jürgen Holtz der dezidiert banale Plot improvisiert: Eine verheiratete Frau schläft während einer Kur mit einem Alleinunterhalter, der sie am nächsten Morgen nach Berlin fährt, wo beide auf ihren Ehemann und Schwager treffen.
Die Filmschaffenden schufen Experimente nach eigenen formalen Ansprüchen und mit einer Freiheit, die es ansonsten in der DDR eigentlich nicht gab. Gosch inszenierte zu diesem Zeitpunkt bereits in der Bundesrepublik, seine letzte Inszenierung in der DDR war 1978 Leonce und Lena (mit Michael Gwisdek und Hermann Beyer) an der Volksbühne gewesen, danach war er ‚kaltgestellt‘ worden. Noch während der Dreharbeiten forderte man Barthel auf, aus dem vorliegenden Material einen groben Rohschnitt zu erstellen. Nach dessen Sichtung verbot die Hochschule die Fertigstellung des Films. Zu sehr waren die Szenen Seismograph des sozialen und politischen Zustands der Gegenwart in der DDR, „Happenings, die ein authentisches Lebensgefühl vermitteln“ (Ralf Schenk, Filmdienst 10/2009).
Im Archiv der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF blieben die 35mm-Schwarzweiß-Kopie und der separate Magnetton des Zwischenrohschnitts erhalten. Dieser besteht aus aneinandergehängten Einstellungen von 14 Szenen, teilweise mit Filmklappen im Bild und mit Regieanweisungen und Kamerageräuschen auf der Tonspur. Zehn weitere Szenen konnten nicht mehr realisiert werden. 2024/2025 wurde das Material von der Filmuniversität im Rahmen des Förderprogramm Filmerbe digitalisiert und eine Fassung erarbeitet, die den unfertigen Charakter des Films respektiert, zugleich aber auch seine Rezeption ermöglicht.
Einführung am 09.01.: Anke Wilkening
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Wir waren so frei. Ein Film über einen Film (D 2008, Thomas Knauf)
09.01.2026, 19:30 Uhr und 12.01.2026, 20:30 Uhr im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums.
Thomas Knaufs Filmessay ist das Making-of eines Films, der nie fertiggestellt wurde. In Interviews berichten Lars-Peter Barthel und Jürgen Gosch sowie die Schauspieler*innen von den Dreharbeiten für Experimente, vom Verbot des Films und von den Versuchen, das Material zu retten. Zu Wort kommen auch Christiane Mückenberger, die 1980 Dozentin für Film- und Fernsehwissenschaft an der damaligen Hochschule für Film und Fernsehen der DDR war und die von Barthel damals zur hochschulinternen Sichtung des Zwischenrohschnitts eingeladen worden war, ferner der Kameramann Thomas Plenert und dessen Komplizin beim Rettungsversuch, Gudrun Steinbrück-Plenert.
Einführung am 09.01.: Anke Wilkening
